Ja, absolut. Viele Frauen haben den sogenannten „vorwiegend unaufmerksamen Typ“ (umgangssprachlich ADS). Dabei fehlt die sichtbare motorische Unruhe fast vollständig. Die Kernsymptome – Konzentrationsschwierigkeiten, innere Unruhe, Vergesslichkeit, Reizbarkeit – sind trotzdem vorhanden und beeinträchtigend.
Ja. Viele Frauen mit ADHS sind hochfunktional – nach außen. Das gelingt durch enormen persönlichen Aufwand, striktes System-Denken oder die Fähigkeit, in Drucksituationen aufzublühen (Hyperfokus). Der Preis ist häufig: chronische Erschöpfung, Burnout-Risiko und ein Privatleben, das im Chaos versinkt.
Eine Diagnose ist in jedem Erwachsenenalter möglich. Auch mit 40, 50 oder 60 Jahren erhalten Frauen erstmals die richtige Diagnose. Voraussetzung ist lediglich, dass die Symptome auf die Kindheit zurückzuführen sind – was bei echter ADHS immer der Fall ist. Wir führen die Diagnostik für alle Erwachsenen ab 18 Jahren durch.
Ja. Unser Team ist für die unterschiedliche Symptomatik bei Frauen sensibilisiert. Wir berücksichtigen im Interview und bei der Auswertung, dass ADHS bei Frauen häufig anders ausgeprägt ist als in klassischen Diagnosekriterien beschrieben. Zusätzlich setzen wir Screeningverfahren für Begleiterkrankungen ein, die bei Frauen mit ADHS besonders häufig auftreten.